Buchbesprechung von Robert Unterburger
(Zeitungsartikel im Schwabacher Tagblatt vom 15./16. August 2009, siehe hier, und nachzulesen auch in der Online-Ausgabe des Tagblatts)
Die Schwabacher Autorin Barbara Lorenz ist mit
mehreren Texten vertreten in der neuen Anthologie „Versöhnung“
SCHWABACH – „Babylon war wirklich das größte Unglück aller
Zeiten“, schreibt die Herausgeberin Waltraud Weiß im Vorwort, doch es gibt
Hoffnung: „Ich kann die Sprache der anderen lernen.“
Das Zauberwort heißt Versöhnung. So lautet auch der Titel
der neuen Anthologie, die der Kölner Verlag „Wort und Mensch“ soeben
herausgegeben hat. Insgesamt 56 Autorinnen und Autoren, 15 Schülerinnen und
Schüler der Heinrich-Kraft-Gesamtschule Frankfurt sowie zehn Malerinnen und
Maler aus ganz Deutschland und der Schweiz haben über den Begriff „Versöhnung“
nachgedacht und ihre Assoziationen in Form von Gedichten, Geschichten und
Texten sowie Bildern festgehalten.
Das Bemerkenswerte an dieser neuen Anthologie ist, dass auch
eine Autorin aus unserer Region vertreten ist: Barbara „BaLo“ Lorenz. Man kennt
sie als Mitveranstalterin der Reihe „Schwabach liest“, als Verfasserin eines
Lyrikbandes und als Mitglied der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft.
Mit ihrem philosophisch-literarischen Text „Frieden schaffen
durch Versöhnung“ spricht Barbara Lorenz die Emotionen des Lesers an. „Die
Natur macht es uns vor und schenkt meinem Lebenstraum ein poetisches Bild: Die
weiße Schneedecke des Friedenssuchertuchs legt sich übers Land“, schreibt sie
zu Beginn ihrer Betrachtungen. Was die Welt tatsächlich vor allem bräuchte, im
persönlichen Mikrokosmos und im übergreifenden Makrokosmos, ist für Lorenz
Folgendes: Vermittlung und Ausgleich, Brückenschlag und Brückengang, über
Schatten springen, eigene Befindlichkeiten und Belange nicht an erste Stelle
stellen und andere Ansichten mit bedenken.
Ihren Wunschkatalog für eine bessere Welt veranschaulicht
Barbara Lorenz durch das Gleichnis vom Vater und vom verlorenen Sohn. Denn
„neue Gerechtigkeit wächst aus der Gabe der Vergebung und Zukunft baut sich
eine Heimstatt auf neu oder wieder gefundenen Gemeinsamkeiten.“
Allerdings, so Barbara Lorenz weiter, seien weltweite Versöhnung
und Verschwisterung Visionen. „Nicht einmal in der Nachbarschaft ruhen die
Wort-Waffen“, schreibt sie ernüchtert. „Wir reden von Globalisierung, aber wir
begreifen immer noch nicht, dass wir alle Menschen unter Menschen sind, nicht
vollkommen, immer wieder irrend und falsch handelnd, von Schicksalsfügungen
gebeutelt und beglückt, mit der Segnung des Geborenseins bedacht und mit dem
Joch der irdischen Todessicherheit behaftet.“
Mit vier Gedichten („Mit Hiob sang ich“, „Versöhnung kommt
von Sühne“, „Wenn…“ und „Nicht immer…“ unterstreicht Barbara Lorenz ihre
Vorstellungen von Versöhnung. „Gehe auf deinen Pfaden mit erhobenem Haupt und
offnem Herzauge“, lautet ihr bedenkenswerter Ratschlag im letzten Gedicht.
Mit der kleinen Erzählung „Auch so kann es gehen!“ schließt
die Schwabacher Autorin ihren Part in der lesenswerten neuen Anthologie. Eine
Geschichte zweier Buben, die sich nach einem erbitterten Streit, der in einer
Schlägerei eskaliert, die Hand reichen und Freunde werden.
Lassen wir am Schluss noch einmal Waltraud Weiß, die
Herausgeberin der Anthologie „Versöhnung“, zu Wort kommen. „Ich persönlich
leide sehr unter den Sünden der Nazis, der Verfolgung der Juden, den `Heilrufen
` der Menschen meines Landes, in das ich 1939 geboren wurde“, schreibt sie.
„Durch meine Beschäftigung mit Else Lasker-Schüler, die nach Palästina zum
ersten Mal 1933 und dann 1939 zum letzten Mal emigrierte, weiß ich um den
Verlust der Heimat und vor allem der Heimatsprache. Mit dem Bild von Beni Shiff
– Song of Praise – (Loblied) und seinem Zweifel an der möglichen Versöhnung der
Völker schmerzt mein Herz und mein Loblied fällt in der Sprache dunkel und in
der Musik in Moll aus.“ Wird Versöhnung der Menschen für immer eine Vision bleiben?
Lassen wir die vielen Gedichte und Geschichten in dieser
bemerkenswerten Anthologie auf uns wirken! Sie alle kreisen um etwas, wozu die
Menschheit seit Jahrtausenden nicht in der Lage ist: um Versöhnung!
ROBERT UNTERBURGER, August 2009

(Versöhnung. Ein Schritt zum Frieden. Lyrik – Prosa –
Bilder. Herausgegeben von Waltraud
Weiß, Köln, 2009, 248 Seiten. verlag@wortundmensch.de,
ISBN 10-3-9810447-6-2 und ISBN 13-978-3-9810447-6-8, Hardcover )
Das Buch gibt es auch im Buchhandel www.buchhandel.de
Mehr zu Barbara BaLo* Lorenz auf http://www.beepworld.de/members/balo-lyrik/vita.htm
Mehr zu Robert Unterburger: Robert Unterburger, geb. 1954 in Kipfenberg, lebt seit 1981 in Allersberg, verwitwet, drei Kinder, Hauptschullehrer, Freizeitjournalist mit Schwerpunkt Kultur, ehrenamtlicher Kreisarchivpfleger und Kreisgeschichtspfleger des Landkreises Roth sowie ehrenamtlicher Betreuer des Gemeindearchivs Allersberg, schreibt Artikel in der Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung, im Schwabacher Tagblatt, in den Heimatkundlichen Streifzuegen des Landkreises Roth. Mitinitiator der Rother Autorengruppe SONDERZEIT. Robert Unterburger kann zahlreiche Publikationen und Lesungen vorweisen.
Rezension online gestellt von Barbara BaLo* Lorenz, Penzendorfer Str. 98A, D-91126 Schwabach, Mail
Homepage des wort und mensch Verlags: www.wortundmensch.de
Homepage von SCHWABACH LIEST: www.schwabach-liest.de
Homepage von Barbara BaLo* Lorenz: www.blatt-gold.com