Artikel aus dem Schwabacher Tagblatt vom Wochenende 8./9.11.2008:

 

Siehe auch: http://www.schwabacher-tagblatt.de

 

Rezension von Robert Unterburger

 

Die Schwabacher Schriftstellerin Barbara Lorenz veröffentlichte neun Gedichte in der neuen Anthologie „Elses Töchter und Enkelinnen“.

Hommage an Else Lasker-Schüler

 

SCHWABACH – Else Lasker-Schüler (1869 – 1945) war eine deutsche Schriftstellerin jüdischen Glaubens und gilt als die führende deutsche Expressionistin. Obwohl sie 1932 mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet wurde, emigrierte sie 1933 nach tätlichen Angriffen angesichts der nationalsozialistischen Bedrohung nach Zürich und unternahm drei Reisen nach Palästina. Bereits weit vor 1944 beschrieb sie den Untergang des Nazi-Regimes. Sie starb 1945 und ist auf dem Ölberg in Jerusalem begraben.

 

Die Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft wurde 1990 gegründet. „Elses Töchter“ hieß eine Veranstaltungsreihe mit Ausstellungen und Werkstattlesungen. Der erste Auftritt der „Else-Töchter“ fand im Forum Rex in Wuppertal im September 2001 statt, wenige Tage vor dem „11. September“. Einer der Schwerpunkte in einer Podiumsdiskussion damals war die Frage, ob man mit Dichtung, der Kunst und dem Wort die Welt positiv beeinflussen könne. „Elses Töchter“ bejahten dies weitgehend. „Hoffnungsstur“ nennt das die Schwabacher Lyrikerin Barbara Lorenz.

 

Nach „Elses Töchtern“ schlossen sich Autorinnen und Malerinnen zu „Elses Töchtern und Enkelinnen“ zusammen. Elf Autorinnen – unter ihnen Barbara „BaLo“ Lorenz aus Schwabach – stellten nun eine bemerkenswerte Anthologie unter dem Titel „Elses Töchter und Enkelinnen“ zusammen, die beim „wort und mensch VERLAG“ erschien.

 

Sämtliche Texte und Bilder verstehen sich als Hommage an Else Lasker-Schüler. Barbara Lorenz ist eine von „Elses Töchtern“ und gehört dem „Ensemble Else“ an. „Wie kam ich zu Else?“, schreibt Barbara Lorenz. „Else kam zu mir.“ Und: „Rund um mich und in mir Gedanken, die mich packten, und Eindrücke einer Welt, die mir fremd schien, daneben Bücher und Bilder, die mich wärmten. So ging ich auf Forschungsreise in die Warmwelt der Kunst, und eines Tages blätterte ich um zu Else. Sie saß da auf dem Papier vor mir neben einem halboffenen Koffer und spielte mit bunten Knöpfen. Sie lächelte mich an, und ich blickte in ihre Königskirschenaugen. Es war, als hätte sie nur darauf gewartet, dass ich ihr Gesellschaft leiste, und als sie mir ihr Lied sang, kam ich heim.“

 

Liest man Barbara Lorenz` Gedichte, spürt man die tiefe Ehrfurcht, die sie ihrem Vorbild Else Lasker-Schüler entgegenbringt. Sie bezeichnet die Lasker-Schüler als ihre „glitzernde Wortweberin“, fliegt mit ihr „ins Sternland der Poesie“: „Von Anbeginn waren wir schwesterlich … Du hast mich gekannt vor meinem Leben.“

 

In einem ihrer Gedichte nimmt Barbara Lorenz Bezug auf den schmerzlichen Lebenslauf der Else Lasker-Schüler: „Und du musstest fliehen / In ein Land der hohen Gipfel / Wo man dir das Denken untersagte / Per staatlicher Weisung / Sage einer, Lyrik habe keine Macht / Wenn sich die Mächtigen / So davor fürchten!“

 

In einem anderen Gedicht vergleicht die Schwabacher Lyrikerin ihr Idol [Anm. Barbara BaLo* Lorenz: „Idol“ verstehe ich selbst ausschließlich im Sinne einer besonders hervorragenden Lyrikerin, einer ganz außerordentlichen Frau, deren Andenken und Schaffen ich mit lebendig erhalten möchte. Idole habe ich im landläufigen Sinne keine. Wir sind Mensch unter Menschen - und nur Gott ist Gott.] mit einer Fackel: „Du warst wie / Eine Fackel / In deiner Zeit / Bist hinein / Gelodert / In die Welt / Um selbst fast / Zu verbrennen.“ Und: „Du warst für die Liebe geboren / Und sie stach dich / Mitten im Reichtum der Sinne / Als du jauchztest und dich / Hingabst, aufgetan / Bis zum innersten Heiligtum.“

 

Barbara Lorenz versucht sich mit ihren Gedichten dem Menschen Else Lasker-Schüler zu nähern. Sie bewundert den Mut der jüdischen Lyrikerin, der man im so genannten Dritten Reich übel mitgespielt hat: „Mit offenen Augen / Sahst du hinter den Kulissen / All die Paläste und Türme / Du sahst aber auch / Die Öfen / Schon brennen / Und wie der Krieg / Dem Teufel entsprang / Mit dir voraus / Hab ich noch schärfer gesehen / Dass ich nicht blind bin / Vor der Welt.“ Beeindruckende Gedichte, geschrieben in einer beeindruckenden Sprache.

 

Barbara Lorenz, Jahrgang 1960, ist Autorin, Künstlerin, Humanistin und Gourmet-Blattgold-, Silber- und Rosenhändlerin. Sie veröffentlichte in Zeitschriften und Anthologien im In- und Ausland, im Radio und im Internet. 1999 gab sie ihr erstes Solobuch „Abrabarbara“ heraus. Seit 2008 ist sie die „rechte Hand“ für den Schriftsteller Günter Baum bei der Organisation der Veranstaltungsreihe „Schwabach liest“. Die Autorin Barbara Lorenz ist Mitglied der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft.

 

Die weiteren Schriftstellerinnen, die Beiträge in der neuen Anthologie veröffentlichten, sind Traute Bühler-Kistenberger, Radka Donnell, Margit Farwig, Karin Goetz, Maria Köchling-Graafen, Christa Ludwig, Maria Sassin, Käthi Schneider, Waltraud Weiß und Bettina Witte. Das Titelbild und die Bilder stammen von Margarete Wohlfarth.

 

 

ROBERT UNTERBURGER

 

(Elses Töchter und Enkelinnen, herausgegeben von Waltraud Weiß, Köln 2008, 139 Seiten, wort und mensch VERLAG, ISBN: 10 3-9810447-5-4, 18,00 Euro. Pro Buch geht 1 Euro an die Else Lasker-Schüler-Gesellschaft e.V., Wuppertal, zur Bewältigung ihrer kulturellen Arbeit.)

 

-          Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft e.V., Wuppertal: http://www.else-lasker-schueler-gesellschaft.de

-         Zum den Verlag wort und mensch in Köln von Waltraud Weiß: http://www.wortundmensch.de

-          Veranstaltungsreihe SCHWABACH LIEST: http://www.schwabach-liest.de

Webmaster dieser Seite: Barbara BaLo* Lorenz, Tel. 09122-638443 BaLo*s Homepage

BaLo* Stand 27.08.2012, Mail, Impressum, disclaimer